Eine Frischzellenkur für unsere Orgel

Wer in diesen Tagen die Orgel der Wichernkirche betrachtet, wird mit diesem Bild konfrontiert:

Nein, hier haben nicht die Wandalen gehaust. Orgelbaumeister Andreas Seul aus Hüttenberg hat vor einigen Tagen die Klaviaturen und die Pfeifen ausgebaut. Da unsere Orgel inzwischen 33 Jahre alt ist, war eine Generalüberholung fällig.

Die Pfeifen lagern derzeit noch ordentlich sortiert auf der Empore.

Bevor sie wieder ihren angestammten Platz auf den Windladen einnehmen, werden sie entstaubt und gereinigt, ebenso wie das gesamte Orgelinnere, denn in den zurückliegenden drei Jahrzehnten hat sich eine Menge Staub angesammelt – vor allem an den schwer zugänglichen Stellen im Gehäuseinnern. Doch dieser „Hausputz“ ist nur ein kleiner Teil der Arbeiten.

Aufwendiger und für eine zuverlässige Funktion des Instrumentes aus dem Jahr 1979 erheblich wichtiger ist eine Überarbeitung aller beweglichen Teile, der sog. Spielmechanik oder Traktur. Diese Teile sind derzeit in der Hüttenberger Werkstatt. Das Bild zeigt die Tasten des unteren Manuals zur Überarbeitung aufgereiht auf der Werkbank des Orgelbauers.

Durch das regelmäßige Spiel unterliegen die bewegten Teile über Jahre hinweg einer geringen, aber stetigen Abnutzung. Die Lager, in denen sich die Tasten drehen, sind mit Filz ausgetucht, der erneuert werden muss. Dass es sich da um eine knifflige Präzisionsarbeit handelt, ist auf diesem Bild zu sehen: Andreas Seul zeigt das kaum stricknadeldicke Tastenlager.

Und so sieht es aus der Nähe aus: Deutlich sind die „Gebrauchsspuren“ zu erkennen, die das Spiel der Organisten am Tastenholz und an der Filzgarnierung hinterlassen hat.

Natürlich ist im Lauf der Zeit auch in die Zwischenräume der Tastaturen eine Menge Schmutz eingedrungen. Er wird in einem weiteren Arbeitsgang mit einem Spezialschaum entfernt.

Alle Teile der Mechanik werden nach dem Einbau neu einreguliert. Ziel dieser Arbeiten ist es, dem Organisten ein präziseres Spielgefühl zu vermitteln. Außerdem sollen die Registerzüge zusätzliche Führungen erhalten. Auch dabei geht es um die Präzision, die durch ständigen Gebrauch gelitten hat.
Im Orgelgehäuse werden zusätzlich sogenannte Rasterbretter eingebaut. Sie sorgen dafür, dass die großen Innenpfeifen einen besseren Halt haben und sich nicht – wie bisher – gegenseitig stützen müssen. Einige wenige Pfeifen weisen Schäden auf, die durch das jahrzehntelange Stimmen entstanden sind.

Diese Dellen im Pfeifenkörper werden vor dem Einbau wieder „glattgebügelt“.
Im letzten Arbeitsgang wird Orgelbaumeister Hans-Peter Schneider, der die Orgel in den vergangenen Jahren stets gewartet und gepflegt hat, die Orgel neu intonieren. Dabei wird jede Pfeife in Lautstärke, Klangfarbe, An- und Abspracheverhalten genau auf dem Raum abgestimmt. Zum Schluss wird die Orgel dann rein gestimmt.
Über die reinen Überholungsarbeiten hinaus wollen wir unsere Orgel jedoch um eine neue Möglichkeit bereichern. In der Hüttenberger Werkstatt werden eine Manualtastatur und das Pedal zusätzlich mit elektronischen Kontakten ausgestattet. Diese so genannten MIDI-Kontakte erlauben es, an die Orgel digitale Klangerzeuger anzuschließen und zu spielen, z.B. E-Piano, Spinett oder zusätzliche elektronische Orgelregister. Damit ist unsere Orgel dann technisch auf dem neuesten Stand und wieder fit für die nächsten 30 Jahre.
Die Arbeiten werden einige Wochen in Anspruch nehmen. Im Gottesdienst am Erntedankfest (30. September) hoffen wir, das renovierte Instrument wieder nutzen zu können.
Die Kosten für die gesamte Maßnahme betragen rund 10.000 Euro. Wir freuen uns natürlich, wenn Sie einen Beitrag dazu leisten.

Michael Klein

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